Restoration Zylinderhemmung aus dem Jahr 1890 – Teil 2

Hier geht es zum 1. Teil

In diesem Teil werde ich die Unruh und deren Spirale behandeln. Die Spirale wird gerichtet, die Unruh gewogen (auf der Unruhwaage), gewuchtet und eingestellt. Der Rundlauf kontrolliert, und wenn erforderlich korrigiert.

Als erstes lege ich die Unruh auf den Unruhtisch, damit ich leichter arbeiten kann.IMG_4616

Danach kommt der Unruhtisch unter das Mikroskop. Bei 20facher Vergrößerung beginne ich, die Spirale zu richten, bis alle Windungen den gleichen Abstand zueinander vorweisen. Eine sehr aufwendige Arbeit, die darüberhinaus extrem zeitintensiv ist.IMG_4615

Nach mehreren Stunden unter dem Mikroskop bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Alle Windungen der Spirale sind gerade und haben den gleichen Abstand. Das letzte Stück spielt keine Rolle, da es sowieso später mit dem Rücker (ein Stift, in den die Spirale gesteckt wird) verbunden wird.
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Danach wiege ich die Unruh auf die Unruhwaage, um eine eventuelle Unwucht zu kontrollieren. Dazu nutze ich meine Unruhwaage der Fa. C. & E. Marshall Co. aus USA. Ich persönlich schätze diese amerikanischen Werkzeuge aus den 40ern sehr.
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Die Unruh hat keine Unwucht und läuft tadellos :-))
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Der Zapfen läuft auf Rubinsteinen, welch sehr exakt sind. Meine Unruhwaage hat wunderschöne blaue Rubinsteine.IMG_4631

Ich kontrolliere zur Sicherheit den Rundlauf der Unruh. Dazu nutze ich einen Rundlaufzirkel ebenfalls von der Fa. C. & E. Marshall Co. aus USA. Dieses Werkzeug stammt ebenfalls aus den 40ern.
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Der Rundlauf ist einfach perfekt. Ich mußte ganz minimal korrigieren.
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Somit kann ich diesen Teil des Berichtes abschließen. Die Unruh wird uns in Folge keine Probleme bereiten. Sehen wir uns das Bild vorher nachher an. Links sieht man, dass die Spirale die gleichen Abstände in den Windungen aufweist. Auch die Bahnen sind rund und nicht mehr elliptisch. Rechts sieht man, dass mehrere Windungen unterschiedlich weit zueinander sind.Screen Shot 2014-08-15 at 23.06.12

Gedanken mache ich mir über das Gehäuse, wobei ich beschlossen habe, die Uhr als Tischuhr zu verwenden, die auf meinen Tisch kommen wird. Darauf freue ich mich schon.

Ich denke, dass ich insgesamt 3 Stunden benötigt habe, um diese Arbeit durchzuführen. In Teil 3 werde ich die Stahlteile des Uhrwerks bearbeiten. Das bedeutet Rost entfernen, immer feiner schleifen und schließlich auf Hochglanz polieren.

Zum 3. Teil geht es hier weiter.