Credor Watch wurde von Seiko gegründet, um mit der Schweizer und der deutschen Uhrenindustrie vergleichbare Uhren herzustellen. Anders als Grand Seiko, welche mehr dem japanischem Geschmack angepasst ist, folgt Credor mehr dem klassischen Design. Credor Uhren werden, neben Grand Seiko und andere japanische Luxusuhren, vom Spezialisten  Shizukuishi Watch Studio in Morioka, Iwate, Japan, konstruiert.

Bei dieser Credor aus der Node-Reihe (Referenz: BCAY987) handelt es sich um eine Handaufzugsuhr, die sehr viel zu bieten hat. Die Uhr ist wirklich wunderschön verarbeitet und qualitativ höchstwertig ausgeführt. Darüber hinaus verfügt sie über ein Manufaktur-Uhrwerk mit einer Gangreserve. Das Zifferblatt ist versilbert und ebenfalls sehr fein ausgeführt. Es ist auf vier Ebenen (Rehhaut, Stunden leicht nach außen gewölbt, Mittelteil und Sekunde, die nochmals versenkt ist) aufgebaut. Dadurch entsteht ein 3D-Effekt, welcher zum Hinsehen einlädt.

Das Armband ist durchgeschwitzt und gehört dringend getauscht ;-)

Man sehe sich die Verabeitungsdetails an. Überall Schliffe und polierte Flächen. Das Gehäuse selbst ist konisch.

Das Armband wird entfernt. Die Federstege sind zusätzlich mit Schrauben versehen. Normalerweise sieht man nur die Löcher. Hier hat Credor auf kleinste Details geachtet.

Das Gehäuse wird geöffnet.

Dekorierter (mit Perlierungen versehener) Gehäuseboden.

Zum Vorschein kommt das bis ins letzte Detail schön verarbeitete Uhrwerk. Man beachte folgendes: Das Uhrwerk hat 31 Lagersteine. Wohlgemerkt ein Handaufzugsuhrwerk. Da ist fast jeder Zapfen auf zwei Steine je Seite gelagert. Den Sinn lassen wir mal außer Acht und fokussieren wir uns auf den getriebenen Aufwand :-)

Das Uhrwerk der 4S-Familie hat eine Gangreserve von 40 Stunden. Kleine Sekunde bei 6-Uhr und eine Gangreserveanzeige zwischen 9- und 10-Uhr. Das Kaliber 4S79A gehört zu den Schnellschwingern und macht 28.000 Halbschwingungen pro Stunde. Darüber hinaus ist es mit Dreiviertel-Platine versehen. Sieht man oft bei Lange & Söhne, Glashütte Original und bei einigen Nomos Uhrwerken.

Auf der Zeitwaage sind die Werte nicht ganz berauschend, jedoch noch akzeptabel. Die Uhr ist aus dem Jahr 2006. Nach so vielen Jahren ist ein Service längst überfällig.

Das Uhrwerk ist komplett zerlegt und wird nach der Reinigung zusammengesetzt. Da keine Teile zu bekommen sind, freue ich mich darüber, dass alle Teile in Bestzustand sind. Auch die Aufzugsfeder sieht sehr gut aus, und wird wieder eingesetzt.

Nach der Reinigung setze ich die Aufzugsfeder im Federhaus ein. Für eine Handaufzugsuhr hat diese Uhr eine besondere Aufzugsfeder, die normalerweise in Automatikuhren zur Anwendung kommt. D.h. das Federhaus muss analog einer Automatikuhr geölt werden. Im täglichen Gebrauch ist diese Ausführung praktisch, weil man die Uhr unendlich aufziehen kann. Sprich die Feder stoppt nicht und kann nicht überdreht/gerissen werden, sondern dreht einfach weiter, was ja für ungeübte Handaufzieher sehr praktisch ist ;-)

Da ich im Netz über das Uhwerk nichts bzw. nicht viel gefunden habe, werde ich Step by Step Bilder anhängen, damit eine Art Anleitung entsteht. Eventuell kann es jemand brauchen.

Alle Teile sind so präzise gefertigt, dass die Dreiviertel-Platine einfach beim ersten Aufsetzen passte.

Nun kommen die Teile der Zifferblattseite zusammen. Hier sieht man ganz deutlich, dass die Gangreserve bereits bei der Konstruktion des Uhrwerks berücksichtigt worden ist. Sie ist einfach ein Teil des Uhrwerks und nicht ein Modul oder sonstwie dazu gestoppelt worden.

Eines schätze ich sehr an japanischen Uhren, nämlich, dass nirgendwo Federn, die davon springen können, zur Anwendung kommen. Wirklich gar keine. Hat man auch so bei der Grand Seiko gesehen.

Hier sieht man die grobe Sandstrahlung. Sehr schön gemacht :-)

Die Hemmung wird zusammengebaut und ich gebe das Uhrwerk auf die Zeitwaage.

Diese Punkte, die auf dem Bildschirm zu sehen sind, sind keine Ausreißer der Hemmung, sondern ich, wie ich mit Werkzeugen herumhantiere und doch da und dort Geräusche verursache :-)

Die Werte sehen schon mal sehr gut. Ich gebe das Zifferblatt drauf, setze die Zeiger und baue die Uhr zusammen.

Sekundenzeiger wird eingesetzt. Auch die Zeiger weisen ein Detail auf, dass man gar nicht so sieht. Man sieht kein Rohr und keine Vernietung. Die Oberfläche der Zeiger ist mit einem Blättchen abgedeckt und wie die ganzen Zeigern auf Hochglanz poliert.

Neue Dichtung ist selbstverständlich.

Ein neues Krokoarmband bekommt die Uhr.

Jetzt strahlt sie wieder. Ich merke zum Schluss an, dass ich das Gehäuse lediglich gereinigt habe. Ich habe es nicht aufgearbeitet.

Alle diese Details und die Verarbeitung…. Weltklasse… das macht echt Freude, die Uhr anzusehen.

Was ist das Fazit!? Über Geschmack kann man bekanntlich streiten. Über die Qualität hoffentlich nicht. Diese Credor Node ist auf höchstem Niveau gefertigt. Das Uhrwerk braucht sich nicht verstecken, wirklich nicht. Würde ich rein die Technik zwischen Grand Seiko und dieser Uhr vergleichen, dann ist diese ebenbürtig. Grand Seiko betreibt noch mehr Aufwand hinsichtlich der Regulierung und der Ganggenauigkeit, die man auch zertifiziert bekommt. Bei der Credor gibt es solche Zertifikate nicht. Jedoch Achtung! Das heißt nicht, dass die Uhr schlecht geht. Im Gegenteil, die Gangwerte dieser Uhr sind ausgezeichnet.

Anmerkung: Wenn jemand über technische Dokumente des Uhrwerks verfügt und mir zur Verfügung stellen kann, dann wäre ich wirklich sehr dankbar.