Heute geht es um eine klassische Uhr aus Japan, die aus meiner Sicht Understatement pur ist. Grand Seiko ist neben Credor eine von zwei Marken, die von Seiko hergestellt werden, und das Top-Uhrensegment bedienen.

Die Firma Seiko wollte mit der Marke Grand Seiko die Chronometer-Werte übertrumpfen. Seiko Instruments Inc. hat in Folge die In-House Grand Seiko Standards entwickelt. Wir werden später sehen, wie sich dies auf der Zeitwaage darstellt.

Wer zur Geschichte der Grand Seiko lesen möchte kann das hier oder hier tun. In beiden Artikeln werden die GS Standards dargestellt. Im Watchtime Artikel gibt es sogar eine Gegenüberstellung zwischen Grand Seiko- und Chronometer-Standards.

Genug der Geschichte, sehen wir uns an, was wir haben. Eine Grand Seiko SBGR001, Automatik mit Datumsanzeige auf 3-Uhr.
Man sehe sich die Details an. Diese fein und auf Hochglanz polierten Zeiger und Indexe. Außergewöhnliche zum Ansehen, da das Licht vielschichtig reflektiert wird.

Äußerlich ist die Uhr in Top-Zustand. Leicht verschmutzt und das Armband hat einige Gebrauchsspuren, was ja für eine 12 Jahre alte Uhr ganz normal ist.

Ich mache die Uhr auf, und es präsentiert sich mir das Grand Seiko Kaliber 9S55A in vollster Pracht und Schönheit.  Das Kaliber 9S55 wurde 1998 auf den Markt gebracht. Es ist eine Drei-Zeiger-Automatik sowie Datumsanzeige, mit 28.000 Halbschwingungen pro Stunde und 26 Jewels (= Lagersteine). Das Uhrwerk ist mit Tokyo-Strips (ähnlich der Genfer-Streifen) versehen.

Die erste Hürde ist, dass der Automatik Rotor nicht so einfach entfernt werden kann, da ein Spezialschlüssel erforderlich ist. Ein Freund ist behilflich und stellt mir einen entsprechenden Schlüssel her :-)

Während ich auf die Herstellung des Rotor-Schlüssels wartete, habe ich das Armband entsprechend behandelt.
Nach der Behandlung sieht das Teil fantastisch aus :-)

Einige Zeit später hatte ich schon den Schlüssel bekommen, um den Rotor zu entfernen.

Weiter geht es mit dem Uhrwerk, welches nun aus dem Gehäuse entfernt wird. Damit das Uhrwerk nicht einmal einen Mikrokratzer bekommt, verwende ich überwiegend Karbon- und Messing-Werkzeuge.

Ich beginne mit der Zifferblatt-Seite des Uhrwerks und entferne die Teile dort. Dazu ist wieder ein Spezial-Werkzeug erforderlich, welches es erfreulicherweise zu kaufen gibt :-)

Ich arbeite mich durch die Teile durch.

Das Uhrwerk ist sandgestrahlt und mit feinen Streifen versehen. Etwas außergewöhnlich diese Dekoration und mal was anderes als die üblichen Perlierungen.

Nachdem ich mich durch die Teile Zifferblatt-Seitig durchgearbeitet habe, widme ich mich der Rückseite.

Auch hier arbeite ich mich durch die Teile durch und staune da und dort über Details und feine Lösungen, die man so nicht täglich sieht. Eine tolle Erfahrung, so ein Uhrwerk warten zu dürfen.

Die Automatikbrücke ist abgenommen.

Automatischer Aufzug: Grand Seiko verwendet den sog. Magic Lever (magischer Hebel). Ein ähnliches Konstrukt gibt es von IWC, welcher unter der Bezeichnung Pellaton-Aufzug bekannt ist.

Hier eine kleine Demo über die Funktion des Aufzugs.

Quelle: YouTube, (c) Seiko

Nach und nach arbeite ich mich durch die Teile durch.
Die Brücke des Federhauses und die letzten Räder werden aus dem Werk entfernt.
Danach öffne ich das Federhaus und entnehme die Aufzugsfeder, die noch sehr gut aussieht.
Alles bereit für die Reinigung.
Nach der Reinigung beginne ich wie immer mit dem Federhaus.
Die Teile, die epilamisiert werden müssen, werden entsprechend mit Epilam behandelt, geölt und wieder eingesetzt.
Nach dem Zusammensetzen der Uhr gebe ich sie gleich auf die Zeitwaage, um einen ersten Eindruck zu bekommen.Die Werte sind schon ausgezeichnet. Die Amplitude wird sich nach einigen Tagen bessern. Wer Seiko kennt, weiß, dass sie mit kleineren Amplituden arbeiten. Ich werde die Uhr zumindest zwei Wochen lang testen, damit die Grand Seiko Standards weiterhin passen. Dazu führe ich Langzeit- und Lagentests durch. Selbstverständlich bei Zimmertemperatur, sprich 23 Grad.

Ich setze die Zeiger ein.
Die neue Dichtung ist ebenfalls vorbereitet.

Nun schließe ich das Gehäuse…

Zu den Gangwerten: Jede Grand Seiko kommt mit einem Prüfbericht ab Werk. Hier sind die Werte dieser Uhr lt. Seiko.

Zwei Wochen lang habe ich die Uhr getestet, eingestellt, wieder getestet bis ich u.a. Werte in 6-Lagen erreicht hatte. Nochmals zur Erinnerung => Chronometer werden “nur” in 5-Lagen getestet. GS testet zusätzlich zum Chronometer-Standard die Position 12H.

Ich habe wirklich einiges an Uhren getestet, einer Revision unterzogen und reguliert. Eine Uhr, die in 6-Lagen eine maximale Gangdifferenz von 4 Sekunden pro Tag hat, ist mir noch nicht untergekommen. Das begeistert mich schon sehr…. wieder was gelernt :-)

Mit diesem Ergebnis beende ich meine Test- und Regulier-Reihe… ich bin mehr als zufrieden :-)

Hier noch einige Bilder von dieser außergewöhnlichen Schönheit.

Ein Fazit ist nun wirklich schwer. Die Technik rangiert zwischen fantastisch und außergewöhnlich. Die Fertigungsqualität ist sowohl äußerlich als auch technisch auf höchstem Niveau, was sich unter anderem in den Gangwerten wiederspiegelt. Das ist höchste Uhrmacher-Kunst.