Die Geschichte der Type 20 (auch Type XX) Chronographen

Ein außergewöhnlicher Chronograph der französischen Luftwaffe. In den Jahren 1950 bis 1960 haben einige Manufakturen Armbanduhren für die französische Luftwaffe geliefert. Alle Uhren wurden mit “Type 20” bezeichnet. Offensichtlich handelt es sich um Vorgaben bzw. Pflichtenheft 20 des Verteidigungsministeriums, welches festlegte, welche Eigenschaften die Uhren erfüllen müssen.

Nach einiger Zeit wurde die Wartung so teuer, dass die Chronographen durch modernere Type 21 ersetzt wurde.

Die Chronographen wurden für die französische Luftwaffe von mehreren Manufakturen geliefert. Die Lieferungen erfolgten durch Auricoste, Breguet und Vixa, um einige zu nennen. Ab 1960 lieferte Dodane, auch unter der Bezeichnung Airain zu finden. Type 20 wurde jedoch ausschließlich unter sechs Marken geliefert: Breguet und Vixa (1950), Boullier and Auricoste (1954), sowie Dodane und Airaine (1960).

Eine der Anforderungen des französischen Verteidigungsministeriums für Type 20 war die Funktion Flyback, auch retour en vol genannt. Flyback erlaubt das Stoppen des Chronographen, reset oder Null-Stellung, und wieder Start mit einem Knopfdruck. Flyback ist wichtig, wenn die vorangegangene Zeit nicht von Interesse ist, sondern nur, dass die Aktion abgeschlossen ist und der Start der neuen Aktion im Vordergrund steht. Dürfte sich um eine Funktion handeln, die bei der Luftwaffe und Piloten von Bedeutung ist.

Erstmals wurde Flyback 1933 von Breitling vorgestellt und wurde 1936 durch Longines patentiert.

Eine andere Anforderung an Type 20 war die geforderte Genauigkeit von 8 Sekunden pro Tag und eine Gangreserve von 35 Stunden. Darüber hinaus mußte die Start-/Stoppfunktion des Chronographen 300 Mal betätigt werden können, ohne dass ein Problem entsteht. Sprich eine hohe Zuverlässigkeit war gefordert.

Uhren, die der französischen Luftwaffe gehören, wurden (theoretisch) jährlich überholt. Nach der Revision wurde auf dem Deckel der Uhr die Buchstaben “FG” (Fin de Garantie) eingraviert. Somit wurde das Datum für das Ende der Garantie auf dem Gehäuseboden eingraviert. Hier der Gehäusedeckel der Auricoste Type 20. Es zeigt eine Serie an Service-Gravuren.Screen Shot 2016-07-26 at 16.14.15

FG: 12.6.61, 2.2.69, 26.1.71, 17.12.72 und 25.9.82. Diese Uhr wurde August 1954 (8-54) geliefert.

Auf einigen Gehäuseböden findet man die Gravur “CEV” (Centre D’Essai en Vol, das französische Testflugzentrum). Auf diesen Uhren finden sich im weiteren keine Gravuren für durchgeführte Revisionen.

Die französische Luftwaffe hatte einen Servicevertrag mit einigen Ateliers, die die Wartung der Uhren durchführten.

Die Type 20 und Type 21 Uhren hatten noch einige Eigenschaften. Alle hatten zwei Drücker, Handaufzug und Flyback Chronographen. Die Uhren hatten schwarze Zifferblätter, leuchtende (mit Leuchtmasse versehene) arabische Zahlen und Zeiger. Die Uhren verfügen über eine Drehlünette, die sich in beide Richtungen drehen lässt. Die Uhren waren für die damalige Zeit – 38mm Umfang und 14mm Höhe – relativ groß ausgefallen.

Als die Uhren von der französischen Luftwaffe aufgelassen wurden, wurden sie an andere Luftwaffen verkauft. Als Beispiel seien die marokkanische und die argentinische Luftwaffe erwähnt.

Auf die Uhren der Hersteller Breguet und Vixa werde ich hier nicht weiter eingehen und setze mit J. Auricoste Type 20 fort.

Auricoste

Eine der Manufakturen, die Type 20 lieferten, war Auricoste. Die Firma ist auch auf Marine-Uhren (Schiffsuhren) spezialisiert. Auricoste wurde 1854 von Emile Thomas, einem auf die Herstellung von Marine Chronometer spezialisierten Uhrmacher, gegründet. Im Jahr 1900 kam Joseph Auricoste als Geschäftspartner zu Thomas dazu. Auricoste wurde eine Goldmedaille bei der Weltausstellung 1900 in Paris verliehen. Die Firma Auricoste hat heute ihren Sitz in Paris.

Auricoste lieferte an der französische Luftwaffe rund 2000 Stück Type 20 Chronographen aus. Die Lieferungen erfolgten zwischen August 1954 und März 1955. Die Auricoste Type 20 ist mit einem Chronographen-Uhrwerk der Firma Lemania Kaliber 2040 (Basiskaliber TL15) ausgestattet. Das Uhrwerk hat 17 Steine und 15”’ (Linien = 33.3mm) groß. Das Uhrwerk ticket mit 18.000 Halbschwingungen pro Stunde. Das Uhrwerk verfügt über eine gebläute Breguet-Spirale sowie Schraubenunruh. Weiters ist die Uhr mit Schocksicherungen ausgestattet.

Das Lemania TL15 Uhrwerk wurde 1940 vorgestellt. Es war das erste Uhrwerk des Herstellers, welches über die Flyback-Funktion verfügte.

Das Gehäuse wurde in zwei Varianten geliefert. Aus Messing verchromt und aus Edelstahl. Beide Varianten verfügten über einen Edelstahldruckboden.

Die Type 20 Chronographen waren bis Anfang der 70er in Verwendung. Danach gab es keine speziel für das Militär hergestellten Uhren. Man griff einfach auf Standardprodukte zurück.

Im zweiten Teil unterziehe ich der Auricoste Type 20, die mir vorliegt, einer Revision.