Ulysse Nardin und die zweijährige Entstehungsgeschichte, Teil 2/3

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Nun ist ein Jahr vergangen. Zwischenzeitig wurden das Zifferblatt, das Gehäuse und die Zeiger hergestellt. Sehr sehr viele Überlegungen gab es hinsichtlich Design des Zifferblatts und die Proportionen der Zeiger im Verhältnis. Auch die Beschriftung des Zifferblatts war problematisch. Darf man zum Beispiel “Ulysse Nardin” auf einer umgebaute Uhr verwenden auch, wenn das Uhrwerk und das Zifferblatt noch vorhanden sind?

Hier die Schraube, die nach den Abmessungen angefertigt worden ist.IMG_0643

Die Zeiger sind ebenfalls hergestellt und sollen später entsprechend eingebaut werden. Die sehen wunderschön aus. Die Zeiger sind aus Stahl und werden thermisch gebläut.IMG_0653

Es gab mehrere Varianten hinsichtlich Gestaltung des Zifferblatts. Schließlich wählte ich die klassische Variante mit der Beschriftung auf 12-Uhr.Screen Shot 2013-05-30 at 4.14.08 PM Ok… so wird sie schön aussehen.Screen Shot 2013-05-30 at 7.15.06 PMDie Zifferblätter nach der Herstellung. Den Glanz kann leider kein Bild einfach übermitteln. Die Zifferblätter sind – wie bereits erwähnt – auf Hochglanz poliert wie Spiegel und mit einem Schliff versehen. Der Schliff strahlt aus der Sekunde, die sich auf 9-Uhr befindet, wie eine Sonne.IMG_0651

Beim ersten Zusammenbau der Uhr, um festzustellen, ob alle Teile passen wie sie sollten, wird festgestellt, dass das Uhrwerk doch zu flach ist, um die neuen Zeiger, die etwas dicker sind, aufzunehmen. Die Zeiger drehen sich gar nicht, weil sie dick sind, und aneinander streifen. Das ist ein Riesenproblem und kann so nicht einfach gelöst werden. Ich sagte, doch anfänglich, dass diese flachen Uhrwerke Probleme bereiten… immer ist irgendetwas ;-))

Nach langem Hin und Her wurde entschieden, das Minutenrohr und das Stundenrad umzubauen. Das ist leichter gesagt als getan… ein einziger Versuch möglich. Gehen die Teile kaputt, so sind sie verloren. Für so ein Uhrwerk sind einfach keine Teile erhältlich. Bei Ersatzuhrwerken gleicher Bauart, wenn überhaupt zu bekommen, wird gleich eine vierstellige Euro- Summe fällig und das möchte keiner. An diese Aufgabe dürfen nur absolute Profis ran. Rainer Nienaber, der alle o.a. Teile (die Schraube nicht) baute, hatte den genialen Einfall mit dem Umbau. Ich war extrem skeptisch. Herr Nienaber hat mich dann doch überzeugen können.

Original Stundenrad und Minutenrohr.IMG_0775

Damit man Höhe gewinnt, wurde für das Minutenrohr ein Hütchen angefertigt. Das Rohr des Stundenrades wurde entfernt. Ein neues wird in Folge im Loch vernietet.
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Das Stundenrad hat nun das Rohr bekommen. Beide Teile bieten nun die entsprechende Höhe, damit die Zeiger passen.
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Die Räder auf das Uhrwerk montiert. Man sieht die Höhe. Dieses Problem ist nun gelöst und verursacht gleich ein anderes :-) Die Zeiger, die bereits fertig waren, passen nicht mehr, da sich die Abmessungen im Durchmesser geändert haben. In Folge wird es erforderlich werden, neue Zeiger herzustellen.IMG_0778

Nun sind alle Teile bei mir angelangt. Ich werde mich um die Uhrmacherarbeiten und die Galvanik kümmern. Der finaler Zusammenbau steht auch noch an. Los geht es mit den Schliffen für die Brücken, wobei ich mich an die Schliffe des Zifferblatt halten werde. Ich habe mich in der Zwischenzeit für Hochglanz-Nickel, welches das Uhrwerk galvanisch zieren soll, entschieden.

Somit beginne ich die Brücken einzeln mit Schliffen zu versehen. Ich starte mit der Federhausbrücke.IMG_0972

Das Federhaus mit der Räderbrücke.IMG_0973

Ankerbrücke ebenfalls mit Schliffen versehen.IMG_0984

Unruhkloben.IMG_0985

Nochmals die Räderbrücke. Diese Schliffe orientieren sich am Zifferblatt. Vor der Galvanik, kommen sie nicht richtig zur Geltung, da sie noch matt sind. Nach der Galvanik werden sie sehr schön das Licht reflektieren… ich bin schon mal neugerig.IMG_0988

Die Hauptplatine vor der Galvanisierung.IMG_0997

Und die Zifferblattseite der Platine.IMG_0976

Werkhaltering ist aus Messing und wird gleich mit galvanisiert. Hier noch vor der Galvanisierung.IMG_0996

Nochmals alle Teile vor der Galvanik. Alle Teile wurden penibel gereinigt, damit keine Flecken entstehen. Ich möchte ein perfektes Ergebnis haben. Dafür bereite ich alles extrem sorgfältig vor. Alle Teile sind im Korb des Ultraschallreinigers.IMG_4775

Nach der Reinigung mit Ultraschall.IMG_0999

Jedes Teil wird galvanisch entfettet und in Folge in das Nickel-Tauchbad für 20 Sekunden gesteckt. Die Nickelschicht soll nicht sehr stark sein, damit alle Teile nachher ineinander passen.IMG_1009

Die Teile im Nickl-Tauchbad.IMG_1012

Und so sieht das Ergebnis nach 20 Sekunden Behandlung aus. Jetzt, nach der Hochglanz Vernickelung, kommen die Schliffe zur Geltung. Auch, wenn das Bild dies nicht zu vermitteln vermag, sehen die Teile klasse aus.IMG_1011

Alle Teile unmittelbar nach der Gelvanik.IMG_1013

Die Schliffe sind in sich gelänzend und reflektieren das Licht außergewöhnlich schön. Jede Brücke hat den Schliff in 90° Winkel zu ihrer Längskante bekommen. Sprich nicht alle Brücken haben den Schliff in gleicher Richtung. Zusammengebaut bedeutet dies, dass die Schliffe zu einander in einem gewissen Winkel stehen werden. Der Effekt des Glanzes und die Reflexionen sollen bewußt erhöht und hervorgehoben weden.IMG_1017

Alle Teile sehen spitze aus. So haben sie immer gehört und sahen nie anders aus :-))
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Wir erinnern uns an das Uhrwerk vorher…IMG_0516

…und nachher :-))IMG_1036

Nun sind fast zwei Jahre vergangen. Wo ist die Zeit geblieben… Uhrwerksuche, Design des Zifferblatts, Zeiger, Höhe passt nicht, nochmals Zeiger, ich fand mir keine Galvanikanstalt, die diese Arbeit übernehmen wollte, etc., etc. Für die meisten war ein Einzelauftrag nicht interessant, andere wollten keine Verantwortung übernehmen. Viele beantworteten die Anfragen einfach nicht. Die geantwortet haben, haben Preise angesetzt, die einfach nicht bezahlbar waren.

Somit habe ich entschieden selbst zu galvanisieren. Dazu habe ich mir ein komplettes Equipment besorgt und habe mir das Thema autodidaktisch beigebracht. Viele Versuche unternommen, damit ich, wenn ich dieses Projekt angehe, keine Fehler mache.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ist einfach klasse. Ich bin jedenfalls begeistert.

… und so ist die Zeit vergangen ;-)

Im dritten und letzten Teil werde ich die Uhr zusammenbauen, und werde versuchen alle Fehler, wir erinnern uns, die Uhr hatte schreckliche Werte, zu beseitigen.

 

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